Pit Hammanns Kunst der Karikatur: Portrait-Karikaturen von Prominenten, Promis als Karikatur, Comics, Cartoons, Satire

Karikaturen von Pit Hammann | Digitale Illustration

Hammanns Kunst der Karikatur

Eine Art Vorwort von Gaspode P. Flanger


Pit Hammann zeichnet Karikaturen.
Nun, so viel sehen Sie natürlich selbst, und selbstverständlich kann man sich an den "zur Kenntlichkeit Entstellten" erfreuen, ohne darin eine tiefere Weisheit suchen zu müssen. Man kann aber eine finden.
Wenn Sie das möchten, lesen Sie einfach weiter.
Es geht um Menschen. Es geht darum, wer sie sind und was sie ausmacht. Und wie man sie wahrnimmt.
Aber von vorne.

Technik und Handwerk
Viele der Karikaturen von Hammann sind annähernd fotorealistisch, und die meisten sind mit dem Hinweis „Digitale Malerei“ versehen. Nicht wenige Menschen erliegen darum dem Missverständnis, dass es einfach Fotos wären, die durch ein paar Mausklicks in einem tollen Programm auf einem tollen Rechner so toll bearbeitet worden seien. Dieses Missverständnis möchte ich ausräumen.
Aktuell gibt es weder Rechner noch Software, die auch nur im Entferntesten dazu in der Lage wären, diese kreative Leistung eines Menschen zu erbringen, geschweige denn zu ersetzen:
Hammann zeichnet, malt, illustriert von Hand. Nur nutzt er für die digitale Malerei eben keine analogen Werkzeuge wie Papier und Bleistift oder Pinsel, Farbe und Leinwand. Sondern einen berührungsempfindlichen Bildschirm, der seine Arbeit digitalisiert und im Rechner speichert. Er vermalt keine Farbpigmente, sondern Pixel.
Seine digitalen Malereien sind das Ergebnis hehren Handwerks, sie entstehen allein durch die künstlerischen, schöpferischen Fähigkeiten Hammanns.
Entsprechend benötigt eine Karikatur mehrere Stunden hochkonzentrierter Arbeit.

Inhaltlicher Ansatz
Hammann karikiert Personen des öffentlichen Lebens aus allen Bereichen: Eintagsfliege oder Superstar; regional berüchtigt oder weltweit berühmt, tagesaktuell in den Schlagzeilen oder schon lange tot; C-Promi oder von wirklicher Bedeutung für die Welt.
Unabhängig von ihrer wirklichen Bedeutung dient jede berühmte Person einem bestimmten Publikum als Projektionsfläche, und das Publikum sieht in dem Menschen willfährig, was es sehen will.
Und das ist zu wenig.
Weder geht es Hammann darum, irgendwelchen Stars eine Lanze zu brechen, weil sie natürlich auch nur Menschen sind: Das lässt sich nicht bestreiten.
Noch will er mit seinen Karikaturen Menschen verunglimpfen.
Es ist etwas komplexer. Er möchte „zur Kenntlichkeit entstellen“. Was heißt das?

Die Darstellung eines menschlichen Gesichts ist zunächst mal ein Porträt, gemalt oder fotografiert. Wenn der Auftraggeber auch der Porträtierte ist, dürfte ein repräsentativer Zweck dahinterstecken. Will sagen, der Porträtierte möchte auf die Betrachter des Bildes einen möglichst guten Eindruck machen.
Der Hersteller des Porträts trachtet danach, diesen Wunsch zu erfüllen, denn zufriedene Kunden empfehlen die nächsten Kunden. Also setzt er seinen Auftraggeber beispielsweise in vorteilhaft diffuses Licht, das die Falten gnädig weichzeichnet; oder er wird so im Raum platziert, dass 40 Kilogramm des Übergewichts wie zufällig hinter einem Kulissenteil verschwinden; und für den letzten Schliff gibt es etwas Photoshop. So weit, so nachvollziehbar.
Ein solches Porträt ist also nicht nur keine Karikatur, sondern mehr oder minder geschönt, auch, indem unvorteilhafte Eigenschaften vermindert, vermieden, entfernt werden.
So eine Art Gegenteil des gestellten Porträts ist der Schnappschuss, der allerdings ebenso unvollständig ist: Da es sich um eine spontane Momentaufnahme handelt, ist die Summe, das Zusammenspiel aller Umstände im Moment der Aufnahme höchstwahrscheinlich einzigartig, und trotzdem erlaubt diese Abbildung womöglich mehr als eine Interpretation; das ist zunächst mal weder gut noch schlecht, sondern lediglich nicht sehr objektiv.
Anhand dieser beiden ausgeprägten Bespiele wird deutlich, dass unterschiedliche Blickwinkel, unterschiedliche Formen der Darstellung auch unterschiedliche Wahrnehmungen herstellen.
Grundsätzlich kann keine bildnerische Darstellung mehr als nur eine ungefähre Annäherung an das Wesen der dargestellten Person sein, denn selbstredend bedarf es dafür noch einiger anderer kognitiven Mittel. Ansonsten sehen wir nur, was wir sehen wollen; und wir wollen es sehen, weil wir es erwarten.
Diese Schlussfolgerung mag auf den ersten Blick offensichtlich wirken; trotzdem hat das Foto für viele von uns den Nimbus von unbestechlicher Objektivität, weil wir erwarten, dass es nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zeigen kann. Aber eben nicht die ganze Wahrheit.

Hammann strebt mit der Karikatur nach einer möglichst „objektiven Wahrhaftigkeit“ der Darstellung. Paradoxerweise ist sein wichtigstes Werkzeug dazu die Übertreibung, die ihrem Wesen nach aber subjektiv ist. Weil sämtliche Größen eines Gesichts objektiv in Milimetern messbar sind, liegt jede Abweichung von diesen Maßen, jede Übertreibung im subjektiven Ermessen des Künstlers.
Hammann definiert also Form und Ausdruck subjektiv und erzeugt dadurch eine objektive Ähnlichkeit für den Betrachter.
Genau wie ein Porträt mit ausdrücklich ernsthaftem Anspruch ist die Karikatur eine besonders ausgeprägte Darstellung, die eine bestimmte Wahrnehmung herstellt. Nur wird dem Betrachter die spezielle Ausprägung der Karikatur, nämlich die Übertreibung, unmissverständlich vor Augen geführt, also kann er sie bewusst unter diesem Vorbehalt sehen.
Vom Foto erwartet der Betrachter dagegen eine Objektivität, die kaum erfüllt werden kann.

Da Hammann Personen des öffentlichen Lebens karikiert, haben alle Betrachter eine ähnlich gute Ausgangssituation, um das Ergebnis beurteilen zu können. Das wäre ihnen bei einem unbekannten Gesicht nicht möglich. Im Idealfall kann der Betrachter die Karikatur sogar leichter einer Person X zuordnen, als den leibhaftigen Anblick der Person X selbst. Das ist weniger merkwürdig, als es sich liest: Wenn wir Menschen in einem ungewohnten Kontext begegnen, ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass wir sie erst auf den zweiten Blick erkennen.


Fortsetzung folgt.


Dieser Text wurde verfasst für Promikatur.de (© Pit Hammann) und ist die vom Künstler offiziell autorisierte Werkserklärung.